Es sind die wilden siebziger Jahre in Deutschland, in denen Gaia geboren wird. Ihre Eltern sind viel zu jung – gerade mal achtzehn und zwanzig. Sie ziehen häufig um und geben sie oft in andere Hände. Noch bevor sie ein Wort dafür hat, wird Wurzellosigkeit zu einem vertrauten Gefühl. Tiefe Freundschaften entwickelt sie nie. Gaia wird schon früh zur Einzelgängerin und der Humor zu ihrer Freundin. Sie wird zu diesem immer fröhlichen und albernen Mädchen, das niemand ernst nimmt.
Sie bricht die Schule in der elften Klasse ab, studiert Kommunikationsdesign und arbeitet viele Jahre in der Werbung. Als ihr erster Mann stirbt, hinterlässt er ihr eine marode Metallbaufirma. Gaia verlässt mit ihrer kleinen Tochter die Stadt und findet sich für die nächsten sieben Jahre als Metallbauerin wieder.
Doch Kommunikation und die Beobachtung ihres Umfelds bleiben der roten Faden ihres gesamten Schaffens.
Sie verlässt diese harte männliche Welt und beginnt zu fotografieren. Die Fotografie entwickelt sich zu einer eigenen Form der Forschung. Sie sucht etwas.
This wall always gets my jokes.
I kinda feel comfortable with her.
…but there is something tragic behind this wall…
Gaia dringt tiefer und tiefer in die Dynamik von Anpassung, Identität und Selbstverlust ein.
Sie beobachtet Menschen und das Knistern in der Luft. Das, was zwischen den Zeilen zu finden ist. Sie interessiert sich für die Frage, warum wir nicht bemerken, dass wir uns schon vor langer Zeit verlassen haben. Und findet etwas. Etwas Dunkles in ihrer Vergangenheit. Ihre Wissbegierde und ihr Drang, psychologische Zusammenhänge zu erforschen, bringen im Zusammenspiel mit ihrer Kunst Licht in ihre Vergangenheit. Sie entdeckt, dass sie als kleines Mädchen sexuell misshandelt wurde.
Über Jahre hinweg übersetzt sie ihre Beobachtungen in ihre Bilder. Auch ihr Humor, der Gaia schon früh durchs Leben trug, trägt sie bis heute. Besonders dort, wo es dunkel wird. Was als Schutz begann, wurde zu einer sehr eigenen künstlerischen Sprache.
In ihren Texten macht sie hochkomplexe menschliche Dynamiken in einfachen Bildern begreifbar, ohne ihnen ihre Vielschichtigkeit zu nehmen.
Während die Fotografie sichtbar macht, was oft unentdeckt bleibt, kann Sprache den inneren Bewegungen folgen. Beide Ausdrucksformen kreisen um dieselbe Frage:
Wie verlieren Menschen sich selbst – und wie finden sie den Weg zurück?
Hinter dieser Arbeit liegt eine über zehnjährige Auseinandersetzung damit, wie sich Trauma im Körper einnistet und unser Denken, Fühlen und Handeln beeinflusst. Und damit, wohin der Weg von dort führt.